13. Mai 2026

# Arbeit & Wohlstand

Zu viel Geld am Sparbuch – zu wenig Kapital für Unternehmen

Aktuell besitzen laut Aktienbarometer der Wiener Börse rund 31 % der Bevölkerung ab 16 Jahren Wertpapiere, das entspricht etwa 2,4 Millionen Menschen. Das ist zwar ein Fortschritt gegenüber den vergangenen Jahren, aber trotzdem: Für ein Land mit unserem Wohlstandsniveau ist das zu wenig.

Der Kapitalmarkt ist hierzulande kein selbstverständlicher Bestandteil wirtschaftlicher Teilhabe, sondern bleibt für viele die Ausnahme. Während Geld auf Sparbüchern oder in niedrig verzinsten Anlagen liegt, fehlt es gleichzeitig Unternehmen an Eigenkapital für Wachstum, Innovation und internationale Wettbewerbsfähigkeit. Mit einem „finanziellen Haushaltsvermögen“ von rund 936,7 Mrd. Euro (Juni 2025), das zu über einem Drittel (36 %) auf kaum verzinsten Einlagen liegt, ist die Mobilisierung von privatem Kapital die zentrale Aufgabe der kommenden Jahre. Ein wohlhabendes Land wie Österreich kann es sich nicht leisten, dieses Sparvermögen am Kapitalmarkt vorbeizulenken, während Unternehmen auf Wachstumskapital angewiesen sind.

Österreich hat über Jahrzehnte ein System aufgebaut, das Sicherheit priorisiert, aber Kapitalbildung nicht ausreichend ermöglicht. Hohe Abgaben auf Arbeit, fehlende Anreize für langfristiges Investieren und ein politisches sowie gesellschaftliches Umfeld, das den Kapitalmarkt skeptisch betrachtet, führen dazu, dass Kapital zwar vorhanden ist, aber nicht produktiv eingesetzt wird.

Länder wie Schweden haben den Kapitalmarkt bewusst als Teil ihrer wirtschaftlichen Ordnung entwickelt. Dort investieren Haushalte deutlich stärker in Fonds und Aktien, und Unternehmen finden leichter Zugang zu Eigenkapital. Das Ergebnis ist nicht nur mehr privater Vermögensaufbau, sondern auch ein dynamischerer Unternehmenssektor und ein robusterer Standort.

Österreich bleibt damit unter seinen Möglichkeiten, obwohl das Interesse durchaus vorhanden ist und sich immer mehr Menschen grundsätzlich vorstellen können zu investieren. Ein wirtschaftsliberaler Zugang wäre hier nötig: Rahmenbedingungen, die den Eigentumsaufbau ermöglichen, das Investieren erleichtern und Leistung nicht bestrafen.

Denn der Kapitalmarkt ist kein Randthema, sondern entscheidet darüber, ob Vermögen entsteht, ob Kapital im Land bleibt und ob Unternehmen wachsen können.

Oder ob genau das anderswo passiert.

Die Autorin

Elisabeth Sauritschnig

Elisabeth, geboren in Kärnten, studierte Wirtschaftsrecht an der Wirtschaftsuniversität Wien. Ihre Karriere führte sie von Anwaltskanzleien über den Österreichischen Wirtschaftsbund und das Parlament bis zur Büroleitung im Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft. Nun engagiert sie sich als Geschäftsführerin der Julius Raab Stiftung in wirtschaftlichen und politischen Projekten.