26. Jänner 2026

# Arbeit & Wohlstand

Über Unternehmertum und das Gedächtnis einer Gesellschaft

Es scheint, als habe unsere Gesellschaft den inneren Kompass verloren. Es scheint, als hätten wir verlernt, zwischen Verteilung und Wertschöpfung zu unterscheiden. Damit haben wir das Fundament unseres Wohlstands aus den Augen verloren. Immer öfter werden jene, die Verantwortung übernehmen, Arbeitsplätze schaffen und investieren, nicht als Gestalter, sondern als Verdächtige gesehen – als Profiteure eines Systems, das man zu bekämpfen glaubt, anstatt zu verstehen versucht.

 

Doch es waren genau diese Menschen – Unternehmerinnen und Unternehmer, Handwerksmeister, Gründer und Visionäre –, die unser Land nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut haben. Die Prinzipien des Unternehmertums haben unser Land erst groß gemacht und auch das Sozialsystem, in der Form wie wir er heute kennen, ermöglicht. Sie haben mit Mut Ideen und unermüdlicher Arbeit das Fundament gelegt, auf dem Österreich bzw. Europa zu einer der wohlhabendsten und stabilsten Regionen der Welt geworden ist. Wohlstand ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis von Leistungsbereitschaft, Verantwortung und Vertrauen in die eigene Gestaltungskraft.

 

Heute, achtzig Jahre später, erleben wir eine gefährliche Umkehrung dieser Werte. Wer Erfolg hat, steht unter Generalverdacht; wer Risiken eingeht, wird moralisch belehrt; und wer Eigentum schafft, gilt als Teil des Problems. Das ökonomische Denken, welches einst ein selbstverständlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Alltags war, wird zunehmend ersetzt durch Wunschdenken und Verteilrhetorik. Man fordert vieles, das noch nicht erwirtschaftet wurde, und verwechselt soziale Gerechtigkeit mit Gleichmacherei.

 

Doch Wohlstand entsteht nicht durch Umverteilung, sondern durch die Fähigkeit, ihn immer wieder neu zu erzeugen. Ohne Unternehmerinnen und Unternehmer, die bereit sind zu investieren, zu scheitern und wieder aufzustehen, gäbe es keine soziale Sicherheit, keine Innovation, keine Zukunft. Sie sind nicht die Nutznießer des Systems – sie sind sein Herzschlag.

 

Wenn wir also wollen, dass Österreich auch in den kommenden Jahrzehnten ein Land des Fortschritts, der Stabilität und der Freiheit bleibt, dann müssen wir uns erinnern, auf welchen Prinzipien und Werten dieser Wohlstand gegründet wurde: Auf Arbeit, Verantwortung, Risikobereitschaft und Vertrauen. Es ist Zeit, wieder mit Stolz Unternehmer zu sein.

Die Autorin

Elisabeth Sauritschnig

Elisabeth, geboren in Kärnten, studierte Wirtschaftsrecht an der Wirtschaftsuniversität Wien. Ihre Karriere führte sie von Anwaltskanzleien über den Österreichischen Wirtschaftsbund und das Parlament bis zur Büroleitung im Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft. Nun engagiert sie sich als Geschäftsführerin der Julius Raab Stiftung in wirtschaftlichen und politischen Projekten.