Un-f*ck the economy safer!

Philip Siefer von „einhorn zu Gast bei Markus Gull zur Premiere des Café Julius

Seit 2014 beschäftigt sich das Unternehmen einhorn mit der Herstellung von gleichnamigen „fairen Kondomen“ für aufgeklärte Kunden und verfolgt dabei eine schlaue Idee: 50 Prozent der Profite werden in Sexualaufklärung für Jugendliche und fairen nachhaltigen Kautschukanbau reinvestiert.

Kunden belohnen

Die Kunden können den gesamten Ablauf des fairen Produktionsprozesses online verfolgen. Das Produkt soll und darf Spaß machen. Es soll  nicht „die Kunden bestrafen wie z.B. ein kratziges aber fair produziertes T-Shirt oder ein Biokaffee, der nur halb so gut schmeckt aber doppelt so viel kostet“, ist Philip Siefer überzeugt. Darum wird bei einhorn viel ins Design (derzeit gibt es zwanzig verschiedene) und in die Verpackung investiert, von der Mehrwerttabelle bis hin zu treffenden Glückskeks-Weisheiten auf der Rückseite wie z.B. „Don’t forget foreplay!“

Fair handeln

Es gibt für Kautschuk kein Fair Trade – Siegel. Ziel von einhorn ist es, gemeinsam mit den Leuten vor Ort Fairness Schritt für Schritt in die Produktion einzubringen, von der Biodiversität auf der Plantage bis hin zur Krankenversicherung für die Arbeiter vor Ort. Zum Fair-sein gehört auch die Aufklärung und das Reinvestieren von Profiten, worüber auf dem einhorn Blog und auf Snapchat ausführlich berichtet wird.

Auch Social Entrepreneure dürfen Tesla fahren

„Wir verstehen uns als ein ganz normales Unternehmen, und möglichst wirtschaftlich zu handeln wie jede andere GmbH steht für uns im Vordergrund. Natürlich darf und soll man mit Social Entrepreneurship Gewinne machen. Wir zahlen unseren (derzeit drei festangestellten) Mitarbeitern Gehälter, die dürfen auch gut sein. Wenn alle Tesla fahren könnten wäre das kein Ausschlussprinzip für Social  Entrepreneurship“, meint Siefer.

Professionalität ist gefragt

„Wer  professionell sozial etwas bewirken will, muss Geld für die Skalierung ausgeben. Nur Juteklamotten zu tragen und sozialen Verzicht zu predigen, das prangern wir an“, so Siefert weiter, und verweist in diesem Kontext auf Dan Palotta, einen prominenten US- Fundraiser, der in seinen Speeches wortgewaltig eine Lanze für die Gewinnmaximierung von sozialen Unternehmen bricht. Es geht darum die Schere zwischen Entrepreneurs und Social Entrepreneurs zu schließen, um letztere auch attraktiv für Talente zu machen.

Alles geht – man muss es nur tun

Obwohl die beiden Gründer von Einhorn bereits Startup – Erfahrung hatten, haben sie mit dem Unternehmen völliges Neuland betreten. Ein Video zum Produkt wurde produziert, sehr viele Viewer haben für € 36,- einen Jahresvorrat an Kondomen geordert, am Ende wurden über € 100.000,- via Crowdfunding gesammelt. „Dass wir so viel Geld durch Vorverkauf gesammelt haben, war für uns ein riesiger Vertrauensvorschuss und ein guter Indikator für die Tauglichkeit unserer Geschäftsidee. 2015 wurde Einhorn gegründet, heute ist das Unternehmen profitabel. Wir haben auch keine Exitstrategie, das Projekt ist nachhaltiger und langfristiger angelegt.“, erklärt Philip Siefer.

„Entrepreneurship pledge“ bringt wirtschaftliche Expertise

Social Entrepreneurship braucht eine solide wirtschaftliche Expertise. Das war für Siefer der Anstoß für die Gründung der Initiative „Entrepreneurship pledge“. Die Inspiriration dazu holte man sich von der Idee des „Giving pledge“ von Bill Gates und Warren Buffet, wo es darum geht, einen wesentlichen Teil der Einkünfte für Philantropie (soziale Anliegen) wieder auszugeben. „Wir haben „gestandene“ Unternehmer mit Gründererfahrung aus unserem Netzwerk dafür zu begeistern versucht, ein faires und nachhaltiges Unternehmen zu gründen und 50 Prozent des Profits zu reinvestieren. Sofort haben 50, bis heute schon mehr als 100 Menschen dieses Versprechen unterschrieben, darunter einige unternehmerische „Granaten“. Auf diese Weise wollen wir viele „Unicorn-Leuchttürme“ bauen und junge Unternehmer mit der Begeisterung für skalierbares Social Entrepreneurship anstecken“, erklärt Siefer.

 

Fragenslalom

Wie habt ihr euer unternehmerisches Tun gelernt? Durch das Machen?

Ich glaube so lernt man das. Es gibt glaube ich keine Ausbildung dazu.

Was hättest Du gerne gewusst bevor du mit deinem Unternehmen angefangen hast?

8000 Sachen. Nicht andauernd darauf reinzufallen, man müsse anderen gefallen, um an sein Ziel zu kommen. Die Prioritäten richtig zu setzen, und damit größeren Impact zu erreichen.

Bei uns – und sicher auch in Deutschland – gibt es Initiativen, unternehmerische Denken und Tun schon im Kindesalter zu lernen – Stichwort Digitalisierung, Entrepreneurship  und Intrapreneurship. Hätte dir das geholfen?

Bestimmt. Ich halte das für total relevant.

Was machen wir mit den Menschen, die nicht die Fähigkeiten zum Kopf- und Wissensarbeiter haben?

Ein Grundeinkommen in der Höhe X statt vieler einzelnen Leistungen.

Wo siehst du dich in fünf Jahren?

Keine Ahnung, was in 5 Jahren sein wird, das heute finde ich richtig gut.

 

Philip Siefer (geb. 1982 in Hamburg, Dipl.Ing. für Medientechnologie) gründete gemeinsam mit Waldemar Zeiler 2015 einhorn Products und lösten damit ein Versprechen ein. 2014 hatten sie Gründer-Kollegen eingeladen, sich einem ‚Entrepreneur’s Pledge’ anzuschließen, einer Erklärung, in der sie sich zur Nachhaltigkeit und Reinvestition von 50% der Gewinne verpflichten.

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