Talent und Kompetenz haben kein Geschlecht

Anlässlich des 25 jährigen Bestehens ihres Non-Profit Unternehmens war Manuela Vollmann, Vorstandsvorsitzende, Geschäftsführerin und Gründerin von „abz Austria“ zu Gast im Café Julius bei Markus Gull. Zur Herstellung von Vielfalt, Chancengleichheit und zur Entwicklung von nachhaltigen, wertorientierten Lösungen für komplexe Herausforderungen führt abz Austria Förderungsprojekte in ganz Österreich durch. Übergeordnetes Ziel ist die Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt, in der Wirtschaft und in der Bildung.

 
Unternehmen als Problemlöser besser als der Staat
„Begonnen hat alles mit einem Projekt für Wiedereinsteigerinnen im Süden Wiens“, erinnert sich Manuela Vollmann. „Heute qualifizieren und begleiten wir jährlich rund 8000 Frauen und beraten 1500 Unternehmen in Fragen von Vereinbarkeit, Gender und Diversity. Unser Ziele ist es dabei eine Win-win Situation herzustellen. Wir ermöglichen den Frauen, selbständig Geld für sich und die Familie zu verdienen und einen Karriereweg einschlagen zu können. In den Unternehmen fördern wir die Mitarbeiterzufriedenheit und die Nutzung des Diversity-Potentials“. Viele Unternehmen übernehmen in diesem Bereich eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, und viele Menschen schreiben ihnen bei Arbeitsmarkt- und Diversityfragen eine größere Problemlösungskompetenz zu als dem Staat. Das hat erst kürzlich eine Umfrage der Julius Raab Stiftung ergeben.

 
Digitaler Wandel bringt neue Chancen für alle
Der digitale Wandel öffnet ein Fenster für viele neue Möglichkeiten, bei Arbeitszeit- und Arbeitsorganisationsmodellen, von der Flexibilisierung bis hin zur Arbeit im Home Office. Innovation und Wettbewerb werden gestärkt. „Wir sagen Ja zur Digitalisierung und zur Veränderung. Wir müssen dabei aber auch auf die kleinen achten“, so Vollmann, und verweist beispielsweise auf diesbezügliche Erfahrungen mit einer digitalen Roadmap für Karenzmanagement, „es braucht schon zwölf bis fünfzehn Karenzen im Jahr, bis sich so etwas rechnet“. Sie kann sich in solchen Fällen auch staatlichen Support für kleinere Betriebe vorstellen, die sich ansonsten solche Produkte nicht leisten können oder wollen.

 
Vereinbarkeit: Frauen tragen noch immer die Hauptlast
2014 nahmen 92,6% der Männer und 67,2% der Frauen mit betreuungspflichtigen Kindern aktiv am Arbeitsmarkt teil, 1994 waren es noch 95,9% der Männer und 54,5% der Frauen gewesen. War im Jahr 1994 erst etwas mehr als die Hälfte der Frauen mit Kindern unter 15 Jahren erwerbstätig, so waren es 2014 bereits mehr als zwei Drittel, viele davon allerdings in Teilzeitarbeit und geringfügiger Beschäftigung. Vor allem für Frauen mit Kindern unter 15 Jahren ist Teilzeitbeschäftigung die dominierende Form der Erwerbsarbeit, um Betreuungsaufgaben und Erwerbstätigkeit zu vereinbaren, wie die Erhöhung der Teilzeitquote bei Frauen zwischen 1994 und 2014 von 39,9% auf 74,3% zeigt (gegenüber 8,2% bei den Männern). Mit der Geburt des Kindes werden in Österreich vorwiegend Modelle gewählt, die auf die Haupterwerbstätigkeit von Männern abzielen. Das männliche Alleinverdiener-Modell wurde großteils von einer Vollzeiterwerbstätigkeit des Mannes gekoppelt mit einer Teilzeiterwerbstätigkeit der Frau abgelöst.

 
Gender Gap weiter schließen
„Bei Vereinbarkeit, Work-Life Balance und Karenzmanagement hat sich in den letzten 20 Jahren viel getan, aber vieles ist auch noch zu tun. Noch immer gibt es nur wenige Frauen in Führungspositionen. Dass Frauen gleiches Geld für gleiche Arbeit zu bekommen haben sollte heute selbstverständlich sein. Obwohl bei vielen jungen Menschen die Thematik Gender fast nicht mehr vorhanden zu sein scheint, fallen viele junge Paare nach der Geburt des ersten Kindes wieder in die Rollenmodelle der Elterngeneration zurück. Die Frauen stecken zurück, und der Gender Gap geht wieder auf“, ärgert sich Manuela Vollmann. „Die Männer haben in Österreich bezüglich einer Karenz die besten Möglichkeiten in Europa, und trotzdem gehen auch sehr gut qualifizierte Frauen in Österreich nach dem Kind in Teilzeitarbeit oder überhaupt erst nach zwei oder drei Jahren in den Job zurück – ein absolutes No Go“. Dagegen brauche es – so Vollmann – eine qualitative und quantitativ hervorragende Kinderbetreuung, ganztägige Schulen und ein entsprechendes Karenzmanagement in den Unternehmen.

 
Potential von Diversity nutzen
Die Gesellschaft wandelt sich, digital und demographisch, die Vielfalt braucht innovatives (Diversity Management). „Familienfreundlichkeit lohnt sich, sie bringt den Unternehmen zufriedene und loyale Mitarbeiter“, ist sich Vollmann sicher, „es sind solche familienfreundliche Unternehmen, die den Gap zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit abfangen – wie kommen sie eigentlich dazu? Familienfreundliche Unternehmen können Frauen bei der Rückkehr in den Betrieb unterstützen, Männer zur Väterkarenz ermuntern, die Abläufe familienfreundlich organisieren, und qualifizierte Frauen in Führungspositionen beschäftigen. Wir beim abz Austria machen das seit 25 Jahren“.

 

Manuela Vollmann, geb. 12.7.1961 in Neusiedl bei Güssing. Studium der Pädagogik in Graz, bis 1989 Forschungsbeauftragte des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung im Bereich der Frauenforschung. 1989 bis 1991 wissenschaftliche Assistentin am Interdisziplinären Institut für Forschung und Fortbildung (IFF) in Wien. 1991 inhaltliche und organisatorische Konzeption eines Arbeitsmarktprojekts mit zwölf Unternehmen, daraus 1992 Gründung der NPO abz*austria. Als Geschäftsführerin ist Manuela Vollmann dort für die strategische und operative Führung sowie Unternehmenskooperationen, Lobbying und Networking zuständig.

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