Bitte ohne Brett vor dem Kopf

Um unternehmerische Menschen, Eigenverantwortung, Neugierde und Mut geht es im neuesten Buch von Wolf Lotter. Der österreichstämmige Autor, Journalist und Mitbegründer des renommierten deutschen Wirtschaftsmagazins brand eins ruft in „Innovation – eine Streitschrift für barrierefreies Denken“ dazu auf, das Thema Innovation jenseits von Trends und Hypes zu überdenken.

Innovation ist, wenn die Dinge besser werden

Für Lotter beginnt Innovation schon mit der Gabe, Zukunftsfähigkeit überhaupt erkennen zu können: „Innovation ist eine Verbesserung dessen, was da ist.“ Im Zentrum von Lotters Buch steht ein Held: der eigenständige, kritisch hinterfragende, selbstverantwortliche Mensch: „Innovation lebt davon, dass Menschen selbst entscheiden, was besser werden soll und nicht darauf warten, dass ihnen jemand Verbesserung verordnet. Dafür brauchen wir Menschen, die nicht warten bis ihnen jemand sagt, wo es lang geht, sondern eine Zivilgesellschaft, die selbst aktiv wird. Denn nur sie schützt uns vor Ideologie und Fanatismus.“

Zukunft braucht Herkunft

Genau diese Zivilgesellschaft kann Lotter im Moment nicht erkennen. Unhinterfragt springt für Lotter eine kritiklose Masse auf den Innovationszug auf, ohne sich zu fragen warum man überhaupt mit von der Partie sein soll und wo die Reise eigentlich hingeht: „Wer nicht im Internet ist, keine digitalen Geräte nutzt, der gehört zum alten Eisen und ist überflüssig. Ähnlich verhält es sich mit Innovation. Wer nicht mitmacht, den brauchen wir nicht mehr. Das kann nicht das Angebot einer barrierefreien Wissensgesellschaft sein.“ Für Lotter zeichnet sich eine Wissensgesellschaft dadurch aus, dass sie weiß, was schon vorhanden ist und gründlich darüber nachdenkt, was sie will und nicht alles kurz und klein schlägt.

Revolution: eine bequeme, aber unzulässige Vereinfachung

Für den Autor ist ein verbreiteter Irrglaube, dass das Neue nur in die Welt kommen kann, wenn es das Alte zerstört. „Das Verhältnis zwischen ‚neu‘ und ‚alt‘ wird immer als angespannt und aggressiv dargestellt. Dabei geht jede Erneuerung aus dem, was bereits da ist, hervor“, so Lotter. „Mit der beliebten Denkvereinfachung des Revolutionsprozesses sparen wir uns als Gesellschaft im Falle von Unzufriedenheit einiges. Wir müssen uns nicht mit dem beschäftigen, was da ist oder mit der Komplexität von Entwicklung auseinandersetzen. Sondern: wir erlauben es uns, mit gutem Gewissen und den besten Absichten, alles zu zerstören. “

Nichts bremst den Fortschritt so, wie die Erfolge von gestern

Wie aber jetzt mit Innovation beginnen? Lotter dazu: „Wir müssen mit der Vernunft anfangen. Dabei fällt es uns natürlich schwer, vermeintlich immer noch erfolgreiche Systeme zu ändern. Denn nichts bremst den Fortschritt, die Veränderung so sehr, wie die Erfolge von gestern.“ Lotter weiter: „Warum sollten wir als eine der wohlhabendsten Gesellschaften der Welt etwas ändern und eine neue Leitkultur etablieren? Weil die Vernunft es uns sagt. Sie ist unsere beste Chance.“

 

Bitte ohne Brett vor dem Kopf

Wolf Lotter:

Innovation – eine Streitschrift für barrierefreies Denken

Edition Körber, 2018

Hier erhältlich

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