12. August 2021

Neue Studie: Österreich bei Kinderbetreuung im letzten EU-Drittel 

 

Frühkindliche Bildung legt den Grundstein für Chancengerechtigkeit und den späteren Erfolg von Kindern. Die heute vorgelegte Studie bestätigt den enormen Aufholbedarf Österreichs in diesem Gebiet. Deshalb fordern wir einen Rechtsanspruch für Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr, so Martha Schultz, Präsidentin der Julius Raab Stiftung und Bundesvorsitzende Frau in der Wirtschaft (FiW)


Studie gemeinsam mit EcoAustria

Die Julius Raab Stiftung hat gemeinsam mit EcoAustria eine Studie zum Thema „Frühkindliche Betreuung und Bildung“ abgeschlossen. Dabei wurden 29 Länder (EU27Schweiz, Norwegen) zu den Themen Kinderbetreuung, Beschäftigungsquote von Frauen sowie Frauenbild in der Gesellschaft verglichen und vier Länder – Dänemark, Deutschland, Frankreich und die Niederlande – genauer unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse zeigen den deutlichen Aufholbedarf Österreichs im Vergleich zu anderen Staaten: In Dänemark etwa werden bereits 66% der unter 3-jährigen betreut, in den Niederlanden liegt die Betreuungsquote bei 65% und in Österreich bei nur 23% (Eurostat). „Die Studienergebnisse zeigen deutlich, dass besonders sozial benachteiligte Bevölkerungsschichten von frühkindlicher Bildung profitieren. Kinder, die von klein auf Kinderbetreuungsangebote genießen, haben in der Zukunft ein besseres Bildungsniveau, Einkommen und Gesundheit. Auch die soziale Mobilität wird so vorangetrieben“, so Priv.-Doz. Dr. Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria.

 

Sozial benachteiligte Schichten profitieren besonders stark von frühkindlicher Bildung

„Die Studienergebnisse zeigen deutlich, dass besonders sozial benachteiligte Bevölkerungsschichten von frühkindlicher Bildung profitieren. Kinder, die von klein auf Kinderbetreuungsangebote genießen, haben in der Zukunft ein besseres Bildungsniveau, Einkommen und Gesundheit. Auch die soziale Mobilität wird so vorangetrieben“, so Priv.-Doz. Dr. Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria.  

 

Finanzierungskomplexität verhindert effizientes Handeln 

In Österreich ist die Kinderbetreuung Landessache, wobei die Gemeinden (Wien ausgenommen) durchschnittlich rund Dreiviertel der Nettoausgaben tragen. Die restlichen rund 25% sind zweckgebundene Zuschüsse des Bundes sowie Förderungen der Länder. „Diese Mischfinanzierung führt zu Intransparenz sowie mangelnder Administrierbarkeit der Finanzierungen. Zudem sind durch die Einzugsgebiete die Einrichtungen mancher Gemeinden finanziell überlastet, während andere dieses Problem nicht haben. Mangelnde Kooperation resultiert hier in Systemineffizienzen“, führt Köppl-Turyna aus.  

 

Frühkindliche Bildung und Betreuung sichert Erwerbstätigkeit und stärkt den Wirtschaftsstandort 

Formelle Kinderbetreuung ist auch ein entscheidender Faktor, ob Eltern und insbesondere Frauen entweder bloß in Teilzeit oder gar nicht am Arbeitsmarkt teilnehmen. In Dänemark liegt man mit 25% unter dem EU-Durchschnitt von 27%. In Österreich hingegen sind mit 49% fast die Hälfte aller Frauen in Teilzeit. Das resultiert für Frauen in Gehaltseinbußen und einer geringeren Pension.  

„Im europäischen Vergleich herrschen in Österreich weniger Angebote zur Kinderbetreuungweshalb die Verantwortung oft bei den Müttern bleibt. Die Herausforderungen der Betreuung und von Homeschooling aufgrund der Corona-Pandemie haben das wieder deutlich aufgezeigt. Die Folgen sind Einbußen bzgl. Karriere, Gehalt und Pension. Um diese Benachteiligungen aufzubrechen, müssen wir eine bundesweite frühkindliche Bildungsoffensive starten. Nur so werden wir es schaffen, Familie und Beruf besser zu vereinbaren und jedem Kind die gleichen Chancen zu geben“, so Schultz. 

Zum Download: Zusammenfassung der Studienergebnisse

 

 

Mediale Nennungen:

Die Presse, 12.08.2021: Digital und Print

OTS Aussendung, 12.08.2021: Zur Aussendung

orf.at, 12.08.2021: Digital

Der Standard, 12.08.2021: Digital

Der Standard, 26.08.2021: Digital

Oberösterreichische Nachrichten, 03.09.2021: Digital

 

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