29. August 2019

Nachbericht: Das war der Politik-Lunch in Alpbach

„Die Ethik des Fortschritts“

Im Rahmen des Politik-Lunchs in Alpbach widmeten wir uns gemeinsam mit der Politischen Akademie und der Konrad-Adenauer-Stiftung der Frage, wie sich Ethik und Werte unserer Gesellschaft weiterentwickeln müssen, damit der (bio-)technologische Fortschritt echte Verbesserungen für die Menschheit bringt. Dafür konnten wir zwei herausragende Speaker gewinnen: Benedikt Herles ist Autor des Buches „Zukunftsblind. Wie wir die Kontrolle über den Fortschritt verlieren.“, in dem er mit einem Zehn-Punkte-Plan auf grundlegende gesellschaftliche Veränderungen drängt. Sarah Spiekermann ist Wirtschaftsinformatikerin an der WU Wien und entwirft in ihrem aktuellen Buch „Digitale Ethik“ ein Wertesystem für das 21. Jahrhundert.

Im Rahmen der Diskussion, moderiert von Dejan Jovicevic (Der Brutkasten), wurde schnell klar, dass es viel Kopfarbeit und Gestaltungskraft braucht, um die (bio-)technologischen Errungenschaften im Sinne des Menschen einzusetzen. Benedikt Herles betrachtete das Thema aus der Perspektive der Technologiefolgenabschätzung, während Sarah Spiekermann einen Schwerpunkt auf ethische Fragestellungen setzte.

 

Technologie ist weder gut noch schlecht

Benedikt Herles betonte gleich zu Beginn, dass Technologie „weder gut noch schlecht ist“, denn erst was man daraus macht, versieht sie mit einem Wert. Für Sarah Spiekermann geht es um drei wesentliche Fragen, die es zu beantworten gilt:

  • Wozu ist eine Organisation da? Mit welchen Werten will ein Unternehmen im Staat agieren?
  • Wofür steht ein Wert wie beispielsweise Transparenz konkret?
  • Wie können Prozesse oder Dinge wie beispielsweise die Finanzierung mit Werten konkret ausgerichtet werden?

 

Narrativ für die Zukunft

Für Herles ist klar, dass die größten Herausforderungen darin bestehen, ein Narrativ für die Zukunft zu entwickeln, da Menschen nach Zielen und Visionen streben. Um ein solches Narrativ für die Zukunft in der Digitalisierung zu entwickeln, sprechen sich beide Gäste dafür aus, dass es eine bessere Debattenkultur und den gemeinsamen Dialog mit der Bevölkerung braucht.

Die großen Gefahren bestehen laut Herles darin, dass durch die Digitalisierung mehr Wertschöpfung generiert wird, die aber nicht mehr nur durch den Menschen erbracht wird, sondern auch durch Künstliche Intelligenz (KI) bzw. durch Maschinen. Hier sieht er große Herausforderungen auf unser Steuersystem zukommen, um die mögliche Entwicklung bei Kapitalrendite und Löhnen zu berücksichtigen, die sich aus der Verschiebung der komparativen Vorteile von Menschen gegenüber KI und Maschinen ergeben könnte. Trotz all der Herausforderungen geht Herles nicht davon aus, dass es durch die digitale Revolution keine Jobs mehr geben wird. Er betont, dass Fortschritt auf lange Sicht etwas Gutes ist, auf kurze Sicht kann es aber auch immer Verlierer geben. Es liegt in der Verantwortung der Gesellschaft, diese möglichen negativen Konsequenzen abzufedern und so gering wie möglich zu halten.

 

Realismus statt Mystifizierung

Spiekermann ergänzte an diesem Punkt, dass aber auch die Maschinisierung nicht in dem Maße erfolgen müsste, wie gemeinhin angenommen. Sinnvoll könne es dagegen sein, nur gezielt Maschinen einzusetzen, um die Qualität von Produkten – auch bei höheren Kosten – hoch zu halten. Für Spiekermann ist jedenfalls ein bewusster und reflektierter Umgang mit der Maschinisierung wesentlich. Höherpreisige, qualitätsvolle Produkte könnten den europäischen Weg darstellen, der auch die Wirtschaft weniger stark imitierbar machen könnte, als wenn Maschinisierung nur blind vorangetrieben werden würde. Der „Technowahn“ in unserer Zeit ist für Spiekermann allgegenwärtig, genauso wie eine gewisse „Mystifizierung der Maschinen“, der ein gewisser Realismus entgegenzusetzen ist.

Ein weiterer wesentlicher Punkt liegt für Spiekermann darin, dass die Welt anders zu gestalten ist als sie bisher funktioniert – durch Werte, die holistisch bei jeder Entscheidung mitberücksichtigt werden sollten. Es braucht ihrer Meinung nach auch unbedingt rote Linien durch diese Werte, die nicht überschritten werden dürfen. Ein konkretes Beispiel ist für Spiekermann, dass Maschinen keine Entscheidungen über Menschen treffen dürften.

 

Mehrwert für die Gesellschaft

Auch das Thema des bedingungslosen Grundeinkommens wurde thematisiert. Hierbei sprechen sich sowohl Herles als auch Spiekermann unisono in späterer Zeit, falls notwendig, für ein bedingtes, statt eines bedingungslosen Grundeinkommen aus. Das heißt, dass ein Grundeinkommen an gewisse Auflagen geknüpft sein sollte, beispielsweise an ehrenamtliche Betätigung. Man sollte also Arbeit für die Gesellschaft weiter incentivieren, statt bedingungslos Geld zu überweisen.

Herles und Spiekermann betonten, dass es unser Ziel sein muss, ein Gesellschaftsbild zu schaffen, mit dem man gut abwägt, was für die Gesellschaft wichtig ist. Das gelingt durch den demokratischen Diskurs, in dem möglichst viele Menschen mitgenommen werden müssen, um nötige Narrative für die digitale Zukunft zu entwickeln.

 

Fotocredits: Konrad-Adenauer-Stiftung

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