11. Juni 2018

Raus aus der Käfighaltung

Journalist, Autor und brand eins Mitbegründer Wolf Lotter über sein neues Buch „Innovation – eine Streitschrift für barrierefreies Denken“ im Talk mit Markus Gull, Präsident der Julius Raab Stiftung

Die Generation E, die Generation der Entrepreneure

„Ein unternehmerischer Mensch zu sein hat nichts mit einem rechtlichen Status zu tun, sondern vor allem mit der inneren Haltung.” Mit diesen Worten eröffnete Markus Gull, Präsident der Julius Raab Stiftung die Veranstaltung ‚Innovativ oder vom Aussterben bedroht?‘.
Gull weiter: „Denn Innovation braucht zuerst einmal Menschen, die Probleme, Chancen und Möglichkeiten erkennen und sagen: Wir unternehmen was! Wir leben in einer Blütezeit für die #generationE, der Generation der Entrepreneure und unternehmerischen Menschen.“
Der unternehmerische Mensch im Zentrum der Zukunft
Um unternehmerische Menschen, Eigenverantwortung, Neugierde und Mut geht es auch im neuesten Buch von Wolf Lotter. Der österreichstämmige Autor, Journalist und Mitbegründer des renommierten deutschen Wirtschaftsmagazins brand eins ruft in „Innovation – eine Streitschrift für barrierefreies Denken“ dazu auf, das Thema Innovation jenseits von Trends und Hypes zu überdenken. Grund genug, Lotter zu einem Abend im Zeichen der #generationE in die Julius Raab Stiftung einzuladen.

Innovation ist, wenn die Dinge besser werden

Für Lotter beginnt Innovation schon mit der Gabe, Zukunftsfähigkeit überhaupt erkennen zu können: „Innovation ist eine Verbesserung dessen, was da ist.“ Gull ergänzt: „Und die Fähigkeit auch gesellschaftliche Probleme mit unternehmerischem Denken und Mitteln anzugehen.“
Im Zentrum von Lotters Buch steht ein Held: der eigenständige, kritisch hinterfragende, selbstverantwortliche Mensch: „Innovation lebt davon, dass Menschen selbst entscheiden, was besser werden soll und nicht darauf warten, dass ihnen jemand Verbesserung verordnet. Dafür brauchen wir Menschen, die nicht warten bis ihnen jemand sagt, wo es lang geht, sondern eine Zivilgesellschaft, die selbst aktiv wird. Denn nur sie schützt uns vor Ideologie und Fanatismus.“

Zukunft braucht Herkunft

Genau diese Zivilgesellschaft kann Lotter im Moment nicht erkennen. Unhinterfragt springt für Lotter eine kritiklose Masse auf den Innovationszug auf, ohne sich zu fragen warum man überhaupt mit von der Partie sein soll und wo die Reise eigentlich hingeht: „Wer nicht im Internet ist, keine digitalen Geräte nutzt, der gehört zum alten Eisen und ist überflüssig. Ähnlich verhält es sich mit Innovation. Wer nicht mitmacht, den brauchen wir nicht mehr. Das kann nicht das Angebot einer barrierefreien Wissensgesellschaft sein.“
Für Lotter zeichnet sich eine Wissensgesellschaft dadurch aus, dass sie weiß, was schon vorhanden ist und gründlich darüber nachdenkt, was sie will und nicht alles kurz und klein schlägt.

Revolution: eine bequeme, aber unzulässige Vereinfachung

Für den Autor ist ein verbreiteter Irrglaube, dass das Neue nur in die Welt kommen kann, wenn es das Alte zerstört. „Das Verhältnis zwischen ‚neu‘ und ‚alt‘ wird immer als angespannt und aggressiv dargestellt. Dabei geht jede Erneuerung aus dem, was bereits da ist, hervor“, so Lotter. „Mit der beliebten Denkvereinfachung des Revolutionsprozesses sparen wir uns als Gesellschaft im Falle von Unzufriedenheit einiges. Wir müssen uns nicht mit dem beschäftigen, was da ist oder mit der Komplexität von Entwicklung auseinandersetzen. Sondern: wir erlauben es uns, mit gutem Gewissen und den besten Absichten, alles zu zerstören. “
Nichts bremst den Fortschritt so, wie die Erfolge von gestern

Wie aber jetzt mit Innovation beginnen? Lotter dazu: „Wir müssen mit der Vernunft anfangen. Dabei fällt es uns natürlich schwer, vermeintlich immer noch erfolgreiche Systeme zu ändern. Denn nichts bremst den Fortschritt, die Veränderung so sehr, wie die Erfolge von gestern.“ Lotter weiter: „Warum sollten wir als eine der wohlhabendsten Gesellschaften der Welt etwas ändern und eine neue Leitkultur etablieren? Weil die Vernunft es uns sagt. Sie ist unsere beste Chance.“
Gull ergänzt abschließend: „Für die #generationE ist nicht nur die Vernunft ausschlaggebend, sondern vor allem auch die persönliche Verantwortung fürs eigene Leben und die Gesellschaft, ohne Ausreden auf starre Systeme. Es gibt keine Systeme, sondern immer nur Menschen, die Entscheidungen treffen. Wenn wir Veränderung zum Positiven wollen, dann kommt es vor allem auf uns selbst, unsere Einstellungen und Haltungen – kurz unsere Kultur an.“

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