22. März 2018

21st Century Skills: Der Mensch bestimmt das Werkzeug

Mit über 200 Gästen aus dem Bildungsbereich, Wirtschaft und Politik diskutierte die Julius Raab Stiftung die Bildung der Zukunft. Dazu gehörten Bundesminister Heinz Faßmann, der designierte Wirtschaftskammer Präsident Harald Mahrer und die renommierte Bildungspsychologin Christiane Spiel. Inhaltlich ging es wenig bis gar nicht um Coding für alle. Im Mittelpunkt stand die Verknüpfung von – zutiefst menschlichen und analogen – Fähigkeiten wie kritischem Denken, Problemlösungskompetenz, Kreativität oder Teamfähigkeit mit digitalen Werkzeugen.

Das Duell Mensch gegen Maschine werden wir nicht gewinnen

Für den Präsidenten der Julius Raab Stiftung, Markus Gull, stand fest: „Der Mensch bestimmt das Werkzeug. 21stC Century Skills – was auch immer wir im Laufe des noch jungen Jahrhunderts darunter verstehen werden – müssen dazu dienen, dass wir uns in Sachen „Mensch-Sein“ verbessern.“ „Denn“, so Gull weiter, „der Versuch Menschen zu besseren Maschinen zu machen hat auch keine Aussichten auf Erfolg. Diesen Wettkampf würden wir verlieren.“

Mit Games die Bildung retten

Auch die Vermittlung von Bildung, zeigte sich der Präsident der Raab Stiftung überzeugt, müsse sich im 21. Jahrhundert weiterentwickeln: „Der Digitale Wandel bringt uns ganz neue Möglichkeiten Kindern und Jugendlichen Bildung zu vermitteln. Denken wir an Game-Based Learning, also die Lernen mit Hilfe von Video spielen. Kinder erleben dort Selbstwirksamkeit, sie können Teamfähigkeit entwickeln und werden spielerisch mit der Lösung komplexer Probleme konfrontiert. Und, Games können dabei helfen eine für SchülerInnen relevante und damit bedeutungsvolle Lernumgebung zu schaffen. Und durch Games können abstrakte Inhalte konkret erlebt werden“. Wie dieses Potenzial für die Schule nutzbar gemacht werden kann, zeigt das Policy Paper „Mit Games die Bildung retten“, das auf www.juliusraabstiftung.at kostenlos heruntergeladen werden kann.

Stoff für die Zukunft: Kritische Distanz, Kreativität und Teamarbeit

Bildungsminister Prof. Heinz Faßmann betonte in der Diskussion, dass aus seiner Sicht kritische Reflexion, Kreativität und Teamfähigkeit wesentliche Eckpfeiler für Bildung im 21. Jahrhundert sein müssten: Faßmann dazu: „Die Geschwindigkeit und Dynamik der technischen Entwicklung erhöht sich und die Auswirkungen auf die Zukunft sind schwer abschätzbar. Die Digitalisierung wird die Arbeits- und Lebenswelt jedenfalls grundlegend verändern. Das stellt uns vor große Herausforderungen, auf die wir als Gesellschaft und als Bildungssystem Antworten finden müssen. Digitale Kompetenzen werden zunehmend wichtig werden, um sich auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich platzieren zu können. Digitale Kompetenzen werden aber auch an Bedeutung für das individualisierte Lernen selbst gewinnen. Dabei ist die Vermittlung einer kritischen und reflektierten Distanz notwendig, um zwischen „Fake“ und korrekter Realitätsabbildung unterscheiden zu können. Die Digitalisierungsinitiative „Schule 4.0“ gibt hier wichtige Impulse und offeriert Unterstützung für die Bildungseinrichtungen.“

Umgang mit Veränderung als Kernkompetenz für Zukunftsfähigkeit

Bildungspsychologin Prof. Christiane Spiel sah als Kern der 21st Century Skills, die Fähigkeit mit Veränderung und komplexen Problemen umzugehen. Dazu brauche es vor allem den Willen und die Fähigkeit ein Leben lang Neues dazuzulernen: „Wir müssen Kinder in der Schule möglichst früh mit komplexen Problemen konfrontiert, auf die es nicht vorgefertigte Lösungen gibt, sondern deren Lösungen sie gemeinsam erarbeiten. Aufgabe der Bildungsinstitutionen ist es auch eine „digital literacy“ zu vermitteln, d.h. den souveränen Umgang mit der unendlichen Informationsflut, die uns digital zur Verfügung steht. Junge Menschen müssen aber auch lernen mit unliebsamen Folgen der Digitalisierung wie etwa Hasspostings oder Cyber-Mobbing umzugehen. Auch (vielleicht sogar insbesondere) in einer digitalisierten Welt kommt sozialen Kompetenzen wie Empathie, Altruismus, Umgang mit Konflikten und Unterschiedlichkeit ein sehr hoher Stellenwert zu und sie sollten daher gezielt gefördert werden.“

Schulen und Hochschulen laufen Gefahr an Relevanz zu verlieren

Walter Emberger, Teach For Austria Gründer warnte davor, dass die Schule Gefahr laufe an Relevanz zu verlieren, wenn die Alltagsrealität von Kindern und Jugendlichen, von digital natives, nicht stärker in der Schule integriert würde: „Wir alle wissen, dass die technische und gesellschaftliche Entwicklung derzeit so viel schneller als die menschliche ist. Wenn wir nicht schnell völlig umdenken, wie wir junge Menschen auf die Anforderungen des Lebens und des globalen Wettbewerbs vorbereiten, dann werden Schulen, aber auch Kindergärten und Universitäten schnell an Relevanz verlieren. Dabei darf aber das Kind nicht mit dem Bad ausgeschüttet werden: Kenntnisse, etwa in Lesen, Schreiben und Rechnen, sind trotz Rechtschreib- und anderen Hilfen noch relevant. Nur wie sie vermittelt werden muss überdacht werden. Wenn wir auch nicht genau wissen, welche Kenntnisse und Skills im gerade erst begonnenen 21. Jahrhundert wichtig sind und sein werden, so ist gewiss: Die positive Einstellung zum Lernen, die Bereitschaft sich zu entwickeln, sich anzustrengen, seine Denk- und Handlungsmuster zu hinterfragen bleibt entscheidend. Das müssen wir jungen Leuten vermitteln.“

Zukunft braucht Raum

Martin Hollinetz, Gründer der Offenen Technologie Labore (OTELO), sprach sich dezidiert dafür aus, in Schulen öffentlich zugängliche Innovationsräume zu schaffen. „Wir brauchen diese Orte der offenen und zufälligen Begegnungen, wo in unterschiedlichsten Konstellationen Neues ausprobiert werden kann.“ Mit zahlreichen OTELOS, die im ländlichen Raum in ganz Österreich zu finden sind, habe sich dieses Konzept bereits bewiesen und sei ausreichend ausgereift und getestet um damit in die Breite zu gehen, so Hollinetz weiter. „Innovation und Innovationsfähigkeit haben eine starke kulturelle Komponente, für die wir Zeit und Raum brauchen. Wir müssen gemeinsam Neues erleben, entwickeln und ausprobieren können. Kommunikation und Kollaboration sind dafür zentral.

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