Neue Chancen für nachhaltige Entwicklung durch die digitale Revolution

Sich solidarisch gegenüber seinen Mitmenschen zu verhalten, abseits von Egoismen Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, und durch die eigene Leistung (s)einen Teil zum gemeinsamen Wohlstand  beizutragen – dieses Bild beschreibt das Prinzip der Solidarität. Es gilt für alle Gruppen von Menschen, für die Familie und die Wirtschaft genauso wie für den Staat und die internationale Staatengemeinschaft. Gemeinsames, solidarisches, „faires“  Handeln ist eine Voraussetzung dafür, die Probleme in unserer komplexen Welt zu lösen, weil wir als Menschen am Ende des Tages immer aufeinander angewiesen sind.

Im September 2015 hat sich die Weltgemeinschaft auf siebzehn Nachhaltigkeitsziele  (Sustainable Development Goals)  geeinigt, die bis 2030 unter Verwendung moderner digitaler Technologien erreicht werden sollen, darunter, Bildung in ländliche Bereiche zu bringen, die Gesundheitssysteme zu modernisieren, die Verwaltungen zu reformieren, die gesellschaftliche Teilhabe marginalisierter Gruppen zu bewirken, und die Demokratiequalität und die Zivilgesellschaft zu fördern.

Tag der Solidarität

„Die digitalen Technologien bieten in vielen Bereichen einen Mehrwert, wenn sie emanzipatorisch eingesetzt werden. Nehmen wir das Beispiel Ruanda: die Möglichkeiten sind umfassend und reichen vom Zugang zur Bildung und neuen Jobchancen für die Menschen, über die Transparenz der Verwaltung bis hin zur Entwicklung eines nachhaltigen Wirtschafts- und Finanzsystems. Die Verwendung von Smartphones ermöglicht Bauern in entlegenen Regionen den Zugang zu Wetter- und Marktinformationen. Sie können den Menschen Bankkonten ersetzen und ihnen via SMS zu Krediten verhelfen – was sonst nicht denkbar wäre, da eine Infrastruktur wie mit Bankomaten, Banken oder sogar Konten fehlt“, erklärt Johannes Mindler-Steiner, Leiter des Afro-Asiatischen Instituts Graz.

„Die Einführung der modernen Mobiltelefonie war ein großer Schritt in die Zukunft. Von der Schrift über den Buchdruck zum Internet und zum leistungsfähigen Smartphone als tragbaren PC – dieser Weg hat uns in Dimensionen geführt, die sich noch vor zehn Jahren kaum jemand hat vorstellen können. Über Jahrtausende angesammeltes Wissen ist de facto immer verfüg- und abrufbar. Um aber“, so Mindler-Steiner weiter, „daraus etwas machen zu können, brauchen wir auch politische Systeme, die Freiheiten zulassen, und keine Zensur betreiben. Wir brauchen gebildete, kritische Menschen, die zum eigenständigen Handeln ermutigt werden. Wenn diese Grundlagen vorhanden sind, und sich diese Menschen in einem freien System mit offenen Zugangsmöglichkeiten bewegen können, dann regelt sich der Markt von selbst“.

Die Austria Development Agency (ADA) hat 2013 das Programm „Wirtschaftspartnerschaften“ ins Leben gerufen, das sich direkt an Unternehmen aus Österreich und dem Europäischen Wirtschaftsraum wendet, die sich in Entwicklungs- und Transformationsländern des Südens und Ostens nachhaltig engagieren wollen, und den Menschen vor Ort neue Beschäftigungsmöglichkeiten bringen. 2015 wurde in einer „Social Entrepreneurship Challenge“ nach Ideen für die Herausforderungen dieser Welt gesucht, und ein siebenstelliges Fördervolumen für Machbarkeitsstudien und Umsetzungsprojekte zur Verfügung gestellt.

Den Einsatz von Social Entrepreneurship (SE) in der Entwicklungszusammenarbeit hält Johannes Mindler-Steiner für eine sehr gute Idee. „Es gibt viele Trends, die aus der Gesellschaft des globalen Südens selbst entstehen. Man kann dort mit relativ geringem finanziellem Input große Wellen schlagen – wenn man Win-Win-Situationen herstellt, und die Energie der Akteure richtig bündelt.“

Die fünfzehn Siegerunternehmen aus der Förder-Challenge der ADA leisten heute vielfältige Beiträge zu einer solidarischen, nachhaltigen Entwicklungszusammenarbeit, darunter beispielsweise das Modelabel Joadre, das sich in Nigeria und Südafrika gegen Menschenhandel einsetzt und benachteiligten Frauen Beschäftigungsmöglichkeiten bietet, oder Arbeitsmarktperspektiven bietet, oder das Kinderbüro der Universität Wien, das gemeinsam mit indischen Wirtschaftspartnern Wissensboxen entwickelt, die spielerisch das Interesse an Wissenschaft wecken sollen.

Was sich Johannes Mindler-Steiner für das Jahr 2018 wünscht:  „Solidarität ist keine Einbahnstraße, durch die immer stärker werdende Vernetzung ist es weltweit nicht mehr angebracht, in kleinen nationalstaatlichen Dimensionen zu denken. Scheuen wir uns nicht davor, einander kennenzulernen und voneinander zu lernen, entfernen wir uns von Feindbildern und hüten wir uns davor, in der komplexen Welt der Verführung der einfachen Botschaften zu erliegen.“

 

Mag. Johannes Mindler-Steiner, 2012–2017 Geschäftsführer des Instituts für Umwelt, Friede und Entwicklung in Wien, leitet seit Juli 2017 das Afro-Asiatische Institut in Graz. Das 1964 von der Diözese Graz-Seckau als Stiftung nach kirchlichem Recht mit Rechtspersönlichkeit für den staatlichen Bereich gegründete Institut beherbergt ein Studierendenheim für Studierende aus Afrika, Asien und Lateinamerika und widmet sich vielfältigen entwicklungspolitischen Aufgaben sowie der interkulturellen Bildungs- und Kulturarbeit.

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