Mit Geld richtig umgehen lernen. Finanzbildung für ein selbstbestimmtes Leben.

Interview mit Philip List, Direktor des ‚Erste Financial Life Park‘ (‚FLiP‘)

Die Julius Raab Stiftung verfolgt das Ziel, das Lernen mittels digitaler Lernspiele zu fördern. Im ‘Erste Financial Life Park‘ (kurz ‚FLiP’ genannt) wird den Kindern und Jugendlichen spielerisch und erlebnisorientiert finanzielle Eigenverantwortung und der verantwortungsvolle Umgang mit Geld auf sehr innovative Art vermittelt. Das FLiP vermittelt Jugendlichen das erforderliche Wissen über den Umgang mit Geld auf spielerische Weise und mit Hilfe digitaler Medien. Wir haben dazu Philip List, den Direktor des ‚Erste Financial Life Park‘ interviewt:

Schon im Vorjahr haben die Erste Group Bank AG bzw. der ‚Erste Financial Life Park‘ die ersten ‚Digi Play Days‘ als Sponsor unterstützt; so auch heuer, wofür wir uns herzlich bedanken. Wir stehen kurz vor den zweiten ‚Digi Play Days‘ am 29. November. Was erwarten Sie sich von dieser Kooperation?

Philip List: Für uns sind Kooperationen wie diese extrem wichtig, weil beide Partner einen ähnlichen digitalen Ansatz verfolgen. Wir haben drei Vermittlungssäulen, eine davon ist eine digitale, wo wir die Inhalte unter anderem über IPads und via Augmented Reality vermitteln. Für uns ist ein möglichst natürlicher Zugang zum Thema wichtig, besteht doch die Generation unserer Besucher im ‚FLiP‘ ausschließlich aus jugendlichen ‚Digital Natives‘. Die Julius Raab Stiftung setzt bei den ‚Digi Play Days‘ altersmäßig bei vielen digitalen Bildungsspielen etwas früher an. Das finden wir gleichermaßen interessant und wichtig. Für die Zukunft planen auch wir mit Angeboten zum ‚Coding für Kids‘ früher anzusetzen.

Das FLiP gibt es jetzt seit einem Jahr; als eine weltweit einzigartige, unabhängige Einrichtung mit dem Ziel, die finanziellen Kompetenzen von Jugendlichen zu verbessern. Am Beginn und am Ende des der Besuchertour sind fünf Fragen zu beantworten. Dazwischen erarbeiten sich die BesucherInnen spielerisch Wissen dazu. Im „Konfigurator“, der ersten Station, besteht die Aufgabe in der Verteilung eines virtuellen Monatsbudgets auf die verschiedenen Lebensbereiche. Bei der Station „Reality Check“ sind Fragen zum täglichen Umgang mit Geld zu beantworten. Bei der dritten Station geht es um Preis und Wert, bei der vierten im Meinungsforum um Fragen aus dem finanziellen Alltag, vom Handyvertrag bis zur Bankenrettung. Anhand eines Pro und Contra von Video-Experten sollen sich die Jugendlichen dazu eine eigene Meinung bilden. Station fünf ist der Globalisierung gewidmet. Soweit zum Aufbau der Tour. Wie wird das Angebot angenommen, wie viele TeilnehmerInnen/Schulklassen haben das FLiP bisher besucht?

Philip List: Im ersten Jahr unseres bisherigen Bestehens haben uns 15.000 SchülerInnen besucht. Wir hatten 800 Touren, und haben in Wien 27 Prozent der Schulen, aber nur drei Prozent der SchülerInnen erreicht. Daran sieht man das große Potential, das hier noch gegeben ist. Unser FLiP-Team besteht aus zehn Personen. Im Ausstellungsbereich sind das drei fixe Vermittler und eine Kuratorin, wobei jede/r von uns auch zahlreiche andere Aufgaben hat. Die Ausstellung ist unser Flagshipstore, unser Ziel ist es aber darüber hinaus, diese Initiative österreichweit und auch gruppenweise auszubauen. Dazu bauen wir derzeit auch in Prag und in Bukarest an einem ‚FLiP‘. Unsere Führungen bieten wir derzeit in deutscher, englischer und slowakischer Sprache an. Drei Nachmittage pro Monat sind für den Besuch von slowakischen Schulen reserviert. Es stecken riesige Möglichkeiten in dem Projekt, nicht nur in Wien. Wir haben auch viele Besucherklassen aus Niederösterreich und aus dem Burgenland. Wir haben bis Ende des Jahres keinen einzigen Termin mehr frei, sind bis Februar und auch im Juni bereits komplett ausgebucht. Wir führen derzeit vier Schulklassen pro Tag und werden über das ganze Jahr zu 95 bis 100 Prozent ausgelastet sein, und das ohne intensive Marketingkampagnen. Wir führen derzeit täglich durchschnittlich hundert SchülerInnen durch das ‚FLiP‘. Mehr können wir nicht bewältigen, weil wir auch immer wieder Sondertouren anbieten, etwa für Erwachsenengruppen oder berufsbegleitende Schulen, die zumeist am späteren Nachmittag stattfinden. Unsere regelmäßigen Touren finden um 9, 10, 11 und 13 Uhr statt, oftmals haben wir aber auch noch um 16 oder um 18 Uhr eine zusätzliche Tour. Damit bewegen wir uns an der Kapazitätsgrenze. Daher überlegen wir jetzt, unser Angebot in den Stoßzeiten im Juni ab 2018 auf fünf Touren für Schulklassen pro Tag zu erhöhen, weil vor den Ferien besonders starke Nachfrage besteht.

Das ‚FLiP‘ dient seinem Selbstverständnis nach der niederschwelligen, barrierefreien Vermittlung von Verständnis für wirtschaftliche und finanzielle Zusammenhänge an Jugendliche. Es ist eine unabhängige Institution mit einem internationalen Expertenbeirat, Top-Manager der Erste Group stellen sich tageweise als Freiwillige zur Verfügung. Können sie uns dazu mehr erzählen?

Philip List: Zusätzlich zu unseren drei fixen verfügen wir über 76 freiwillige Vermittler.  Der bekannteste Volunteer, Mag. Treichl, hat selbst bereits vier Mal eine Klasse geführt. Diese freiwilligen Vermittler kommen aus allen inhaltlichen und hierarchischen Bereichen der Bank bzw. Gruppe. Jeder nimmt seinen Background und seine Schwerpunkte mit. Wer aus dem Treasury-Bereich kommt, wird den Bereich Anlagen besonders behandeln, wer aus dem Risikobereich kommt, wird wiederum einen anderen Schwerpunkt setzen. Jeder unserer Volunteers muss einen eintägigen Workshop absolvieren und dreimal unsere ‚Profis‘ begleiten, bevor er selbst eine Tour führen darf; und er tut dies unentgeltlich in seiner Freizeit.

Den PädagogInnen stellt das FLiP eine Vielzahl praktischer Unterrichtsmaterialien zur Nachbereitung des Besuches zur Verfügung. Außerdem werden noch Seminare für Lehrkräfte angeboten. Wie stark wird dieses Angebot genutzt?

Philip List: Es gibt für sowohl Seminare als auch eigene Touren für LehrerInnen. Dieses Angebot wird über den Verein IFTE (‚Initiative für Teaching Entrepreneurship‘) organisiert. In diesem Bereich bieten wir mehr als hundert Workshops pro Jahr an. Unsere Hauptzielgruppe sind Schüler aus Handelsakademien und berufsbildenden Schulen. Die Themenpalette  ist breit und reicht von Workshops für Unternehmensgründung und Designthinking bis zum Crowdfunding usw. Auch den LehrerInnen bieten wir Unternehmensgründungs-Workshops in den einschlägigen Fachmagazinen an.

Es wird im ‚FLiP‘ auch über aktuelle politische Prozesse, etwa über den „Brexit“, informiert. Wie entstehen diese Programme zu aktuellen Themen? In welche Richtung wird das Angebot des FLiP in Zukunft noch weiter ausgebaut werden?

Philip List: Die Ideen für unsere Programme entwickeln wir im Team des ‚FLiP‘. Eine Kuratorin beschäftigt sich damit, wie wir diese Ideen umsetzen können. So ist es auch beim Brexit gewesen. Viele Ideen haben wir noch in der Pipeline, so entwickeln wir gerade ein mobiles ‚FLiP‘ in einem Doppeldeckerbus, der ab 2019 Österreich bereisen wird. Wir haben einen wissenschaftlichen Beirat, der die Verantwortung für den Content trägt. Der Beirat besteht aus unabhängigen Experten, darunter eine Verhaltensökonomin, ein Spieltheoretiker und Experten aus anderen Feldern, mit denen wir die Systematiken besprechen, und von denen wir immer wieder wertvolle Inputs erhalten.

Große Projekte schreiben wir natürlich aus. Das detaillierte, hierorts entwickelte Grundkonzept für das ‚FLiP‘ wurde vom deutschen Unternehmen „jangled nerves“ designt, das auf Projekte dieser Art spezialisiert ist. Bei der Entwicklung des mobilen ‚FLiP‘ werden wir das genauso handhaben.

Das ‚FLiP‘ gibt es weltweit tatsächlich nur einmal. Mit dem ‚Museum des Sparens‘ der italienischen Bank ‚Intensa Sanpaolo‘ in Turin gibt es weltweit auch nur ein annähernd mit dem ‚FLiP‘ vergleichbares Projekt. Alle diese Einrichtungen gehen auf die 11 Jahre alte ‚Urmutter‘ des ‚Museo interactivo de Economica‘ (MIDE) in Mexico City zurück. Als wir die Idee des ‚FLiP‘ hatten, haben wir uns in der Welt umgeschaut, was es an vergleichbaren Projekten gibt. Das MIDE in Mexico City hat uns von der Didaktik und der Grundidee her unglaublich fasziniert, wir haben aber in Europa bzw. in Wien völlig andere technische Voraussetzungen. Daher liegt bei uns der Schwerpunkt auf der ‚Financial Capability‘, beim Lernen des Umgangs mit Geld und mit der Wirtschaft.

 

Philip List, Direktor des „Erste Financial Life Park“ (‚FLiP‘).

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