Ein Social Business aus dem 19. Jahrhundert

Die Bedeutung des Begriffs sparen hat sich im Laufe der Zeit stark gewandelt, sogar so stark, dass daraus im 19. Jahrhundert ein Social Business entstand.

Im 18. Jahrhundert hieß sparen vor allem das „Sparen“ von Lebensmittelvorräten. Geld spielte für die Menschen damals eine sehr untergeordnete Rolle. Die wenigen Münzen, die die Menschen besaßen wanderten in den Sparstrumpf. Als im 19. Jahrhundert der Zugang zu Geld auch in der breiten Bevölkerung auf Grund der Industrialisierung und dem Zuzug in die Städte immer mehr an Bedeutung gewann, wurde das Ansparen von Geld immer wichtiger.

Denn immer mehr Menschen zog es in der Hoffnung auf ein besseres Leben in die Städte. Dort waren sie im Krankheitsfall aber ohne Schutz. Krankenversicherungen wurden in Österreich erst 1889 eingeführt. Der Zugang zum Kapitalmarkt dieser Zeit war nur Staaten und sehr großen Unternehmen erlaubt. Einfache Bürger oder kleine Unternehmen hatten keinen Zugang zu den Vorteilen der Finanzwirtschaft. Die Armenfürsorge lag in den Händen der Kirche.

Gesellschaftliche Innovation aus Österreich: Die Gründung der Ersten Österreichischen Spar-Casse

Es ist also kein Zufall, dass ein Pfarrer, Johann Baptist Weber zum Mitbegründer der ersten Sparkasse Zentraleuropas wurde.

Johann Baptist Weber hatte zuerst eine Pfarrkasse eingerichtet, die zinsenlose Kredite an bedürftige Bürger vermittelte. In der Wiener Vorstadtgemeinde St. Leopold gründete er im Jahr 1819 mit 10.000 Gulden Stammkapital die Erste Oesterreichische Spar-Casse – heute wären das etwa 140.000 Euro.

Pfarrer Weber verstand seine Sparkasse als Bank der kleinen Leute. Auch sie sollten mit ihren Ersparnissen Kapital aufbauen können, um es „in späteren Tagen zur Begründung einer besseren Versorgung, zur Aussteuer, zur Aushilfe in Krankheit, im Alter, oder zur Erreichung irgendeines löblichen Zweckes zu verwenden.“ So sahen es die Statuten vor.

Ein Social Business aus dem 19. Jahrhundert

Die Dynamik der Industrialisierung und Ereignisse wie das Revolutionsjahr 1848 führten zu einer Fortschreitenden Verarmung der Bevölkerung. Gemäß ihren Statuten spendete die Erste ab einem Gewinn von 3 Mio. Gulden Geld für wohltätige und gemeinnützige Zwecke. Zwischen 1819 und 1908 wurden rund 10 Mio. Kronen – heute etwa 41 Mio. Euro – für Sozial- und Kulturprojekte zur Verfügung gestellt. So war die Erste maßgeblich am Bau des Wiener Musikvereins beteiligt.

Die Gründungsidee der Ersten österreichischen Spar-Casse beruht auf dem Prinzip gesellschaftlicher und sozialer Verantwortung. Sie ist bis heute wesentlich für das Handeln der Erste Bank und Sparkassen – und eine Verpflichtung für die Zukunft.

Share this
Article

Dies könnte Sie auch noch interessieren

Café Julius mit Peter Bosek | März 2018
23. März 2018

Café Julius mit Peter Bosek | März 2018

Heute zu Gast im Studio des Café Julius ist Peter Bosek, von der österreichischen Sparkasse. Er leitet den Retail-Banking Bereich und ist im Vorstand der Erste Group. Mit Markus Gull spricht er im Café Julius über ein Social Business, das aus dem 19. Jahrhundert stammt und wie sich der Begriff des Sparens im Laufe der Zeit geändert hat. Mehr über die Gründungsidee der Ersten österreichischen Spar-Casse und wie diese dem Prinzip gesellschaftlicher und sozialer Verantwortung nachgeht, erfährt ihr in der neuesten Ausgabe des Café Julius.

Eine Kurzfassung des Interviews findet ihr außerdem in unserem Blog!

Mehr

AKTUELLES

Wir verfolgen ein klares Ziel:
Wir wollen Österreich nach vorne bringen

Mit neuen Ideen, einer ehrlichen und
mutigen Politik und auf Basis zeitloser Werte.


skip intro