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Stabile Rahmenbedingungen für alle Wirtschaftsteilnehmer schaffen - Buchautor Ralf Kronberger im Interview

Herr Kronberger, Sie haben gerade ihr Buch „Österreichische Wirtschaftspolitik“ herausgebracht. Was ist die Zielsetzung dieses Buches?

Das Ziel war ein Lehrbuch zu verfassen, das einerseits seinen Fokus ausreichend auf die österreichische Wirtschaftspolitik richtet und andererseits aktuelle Entwicklungen berücksichtigt. Die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 brachte die Erkenntnis mit sich, dass Standardlehrbücher bislang die Verknüpfung des Finanzsektors mit der makroökonomischen Theorie unzureichend darstellten. Auch das haben wir bereits in unserem Buch berücksichtigt.

Wir wollten ein Buch schreiben, das sich gleichzeitig an wirtschaftspolitisch Interessierte, Wirtschaftsjournalisten als auch an Mitarbeiter von nahe der Wirtschaftspolitik agierenden Institutionen und Unternehmen und Studenten und FH-Studenten richtet. Der Leser soll einen Einblick in die Funktionsweise österreichischer wirtschaftspolitischer Institutionen erhalten und wissen welche Ziele die einzelnen Entscheidungsträger verfolgen und welche Maßnahmen letztendlich umgesetzt werden. In den letzten Jahren hat sich da sehr viel verändert.

 

Die Julius Raab Stiftung hat als einen wichtigen Wert der Sozialen Marktwirtschaft die Verantwortung im Fokus. Wie sollte verantwortungsvolle Wirtschaftspolitik Ihrer Meinung nach aussehen?

Verantwortungsvolle Wirtschaftspolitik ist für mich eine berechenbare Wirtschaftspolitik mit verlässlichen politischen Akteuren, die stabile Rahmenbedingungen für alle Wirtschaftsteilnehmer schaffen. Auch müssen strukturell notwendige Reformen rechtzeitig angegangen werden, um den nachkommenden Generationen die gleichen Chancen zu geben, wie sie frühere Generationen vorgefunden haben. Verantwortungsvolle Wirtschaftspolitik ist für mich auch, der Sachorientierung den Vorzug zu geben und auf kurzfristigen Populismus zu verzichten.

 

Im aktuellen Band unserer Essay-Reihe „Verantwortung. Wir sind dafür.“ sagt Harald Mahrer: „ Eine Soziale Marktwirtschaft kann nicht gedeihen, wenn die ihr zugrunde liegende geistige Haltung – also die Bereitschaft, für das eigene Schicksal Verantwortung zu tragen und aus dem Streben nach Leistungssteigerung an einem ehrlichen freien Wettbewerb teilzunehmen – durch vermeintliche soziale Maßnahmen auf benachbarten Gebieten zum Absterben verurteilt wird“. Inwiefern teilen Sie diese Aussage?

Bei der Lektüre des Kapitales Verteilungs- und Sozialpolitik unseres Buches diskutieren wir die Grenzen der Umverteilung. Zu hohe Transfers können bewirken, dass Arbeits- und Investitionsanreize verloren gehen, dass die „Zahler“ in die Schattenwirtschaft oder ins Ausland ausweichen, um der Zahlungslast zu entgehen oder auch Wohlfahrtsverluste entstehen, wenn es bei Transfers zu großen Mitnahmeeffekten kommt. Eine Verteilungs- und Sozialpolitik muss so angelegt sein, dass sie dem Wirtschaften Raum gibt, dazu die richtigen Anreize gibt, damit die Mittel für ein Wohlfahrtssystem nachhaltig erwirtschaftet werden können.

 

Die Julius Raab Stiftung hat mit der Plattform www.expectations2012.eu einen Online-Konsultationsprozess gestartet, bei dem die Ideen, Erwartungen und Visionen der Jugend intensiv und europaweit diskutiert werden. Wie wichtig ist die aktive Partizipation der jungen Generation für eine Wirtschaftspolitik der Zukunft und wie kann diese forciert werden?

Das ist ein ganz wichtiges Thema. Ressourcen werden knapper, die Staatsverschuldung während der letzten Jahre ist dramatisch gestiegen und die Finanzmarktkrise hat deutliche Spuren in der Realwirtschaft hinterlassen. Ebenso wird uns die demografische Entwicklung vor Herausforderungen stellen. Die jungen Menschen finden derzeit nicht wirklich die günstigsten Rahmenbedingungen vor. Gerade vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass jungen Menschen nicht nur die aktuellen Probleme einfach hinnehmen, sondern aktiv an ihrer Zukunftsgestaltung mitwirken und mit starker Stimme sprechen. Wie können Bildungssysteme geschaffen werden, die ausreichend auf den Beruf vorbereiten und damit die Chancen auf Arbeit verbessern? Wie können Vorsorgesysteme nachhaltig gestaltet werden, ohne dass dies zu sehr auf Kosten der jungen Generation geschieht? Wie können veraltete öffentliche Verwaltungsstrukturen und öffentliche Leistungsangebote den heutigen und zukünftigen Bedürfnissen der Bürger angepasst werden? Da sollten junge Leute mitreden.

 

Das Buch "Österreichische Wirtschaftspolitik. Eine anwendungsorientierte Einführung" von Dr. Ralf Kronberger und Dr. Reinhold Hofer ist erhältlich über den facultas.wuv Verlag. ISBN 978-3-7089-0763-5

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