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Was sagt eigentlich Joachim Gauck zum Thema Freiheit?

Seit wenigen Tagen hat unser Nachbarland Deutschland einen neuen Bundespräsidenten. Der 72-jährige Joachim Gauck kam bei seiner Wahl durch die Unterstützung von CDU/CSU, SPD, Grüne und FDP auf über 80% der Stimmen. Joachim Gauck war maßgeblich an den demokratischen Umbrüchen in der ehemaligen DDR beteiligt. Sein unumstößliches Bekenntnis zum Wert der Freiheit – welches auch im Zentrum der Rede anlässlich seiner Wahl zum deutschen Bundespräsidenten stand – wurzelt in jener Zeit:

„… Ich wünschte mir ein Bürger zu sein, nichts weiter aber auch nicht weniger als das, so hat ein Deutscher Demokratielehrer, es war Dolf Sternberger seine politische Haltung einmal definiert. Ich habe am 18. März 1990 genau denselben Wunsch gespürt und ich habe damals gefühlsmäßig bejaht, was ich mir erst später theoretisch erarbeitet habe. Das aus dem Glück der Befreiung die Pflicht aber auch das Glück der Verantwortung erwachsen muss. Und dass wir Freiheit in der Tiefe erst verstehen können wenn wir eben dies bejahen und ins Leben umgesetzt haben. Heute nun haben sie […] mich zum Präsidenten gewählt, der sich selbst nicht denken kann ohne diese Freiheit, und der sich sein Land nicht vorstellen kann und mag ohne die Praxis der Verantwortung. Ich nehme diesen Auftrag an.“

Bereits im Rahmen der Eröffnung der Salzburger Festspiele im Jahr 2011 ging er mit den Rufern nach mehr Staat auf Kosten der Freiheit hart ins Gericht:

„… Manch ein Kunstfreund hat angesichts der desperaten Wirklichkeit da draußen nur noch Fluchtgedanken; da es kein Leben nur in der Kunst gibt, flüchtet er in die Vision einer geheilten, von Interessengegensätzen und Bosheit gereinigten Welt. Dieser Welt, dieser Freiheit ist er abhold. … Aber hat nicht gerade das vergangene Jahrhundert uns gelehrt, am allermeisten denen zu misstrauen, die uns die Vision einer erlösten Welt als Politikziel ausgaben? War nicht ihre Vorstellung, sie würden die Endstufe der Geschichte kennen, zunächst von großem Reiz gewesen, hatte Massen bewegt ‚Völker hört die Signale, auf zum letzten Gefecht…’ und hatte dann im Dunkel der Sackgasse geendet. Millionen ungesühnter Opfer statt einer gerechteren oder gar versöhnten Welt – was für ein Ende! Die Utopie, so glückverheißend gestartet, war am Ende nichts gewesen als Flucht aus der Freiheit.

Als gebrannte Kinder werden wir Europäer künftig lieber das Schwarzbrot der Realpolitik essen, als zum Zuckerbrot der Ideologen zu greifen. Wir tun gut daran, weniger nach der vollkommenen Gesellschaft zu trachten, sondern stattdessen in mühseliger Arbeit das Bessere – oder wenn Sie so wollen: das weniger Schlechte – zu gestalten. Dies bedeutet nicht, sich der Banalität zu verschreiben, es bedeutet der Realität standzuhalten.“

Und in seiner Berliner Rede zur Freiheit vom 21. April 2009 bringt es Joachim Gauck auf den Punkt: Wohlstand braucht Freiheit – auch wirtschaftliche Freiheit!

„… Nun gibt es in meiner evangelischen Kirche auch viele ganz unverdächtige Menschen, die gerne mal vom Sozialismus reden. Die gehören nicht zu einer bestimmten Partei und schon gar nicht zu den Reaktionären. Aber sie haben so ein heftiges romantisches und visionäres Gemüt. Und sie sagen dann, es müsse doch eine Alternative geben zum Kapitalismus. „Ja“ sage ich, „da gibt es vielleicht verschiedene. Aber schau dir doch einmal die Welt- und Politikgeschichte an. Du möchtest, dass es allen gut geht, dass es eine Streuung des Eigentums gibt, Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand. Du möchtest ein soziales Netzwerk, was diesen Namen verdient, all das möchtest du doch, oder? Dann wirst du dir wohl einen sehr gut funktionierenden Kapitalismus wünschen?“ Nein, das wünschen sie nicht, den sehen sie am liebsten abgeschafft. Ich frage dann in der Regel ob irgendwo auf der Welt außerhalb eines sehr gut funktionierenden Kapitalismus diese Mittel überhaupt erwirtschaftet worden sind. Die Antwort darauf bekomme ich in der Regel nicht.

Das heißt, wer die Freiheit liebt, wird sich dahin bequemen müssen, Freiheit auch in den Wirtschaftsprozessen zu wollen. Die Neoliberalen und andere haben gespürt, dass zu dieser Freiheit in der Wirtschaft Gestaltungswille und Gestaltungselemente aus dem politischen Raum hinzutreten können, ohne aber dieses Prinzip zu vernichten. Aber wenn ich in einem dumpfen unaufgeklärten Antikapitalismus verweile, schwöre ich auf Rezepte von vorgestern, die schon gestern nicht gewirkt haben, und warum sollten sie das eigentlich morgen tun? Ich weiß es nicht.“

Als prononcierter Botschafter des Freiheitsgedankens gelingt es Joachim Gauck somit, deutlich zu machen, dass Freiheit alles andere als selbstverständlich ist. Freiheit ist auch nicht immer bequem, Freiheit erfordert Mut. Und Freiheit fordert Verantwortung. Damit schließt sich der Kreis: Freiheit ohne Verantwortung gibt es nicht. Wir sind dafür und wünschen Präsident Gauck viel Erfolg bei seinem Kampf für die Freiheit!

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